Erdgas soll das Wasser auf 24 Grad heizen

Die Arbeiten im Freibad laufen auf Hochtouren – für den Betrachter jedoch auf den ersten Blick nicht sichtbar: Unter dem 50 Meter Schwimmbecken wird eine neue Heizungsanlage installiert. Dafür zuständig sind Heizungs- und Sanitärfachmann Ingo Altewers und der Anlage- und Maschinenbauingenieur Christian Czychowski. Beide sind im Ruhestand und tragen mit ihrer langjährigen Erfahrung dazu bei, dass das Freibadbecken eine hochmoderne Heizung bekommt. Mit fachlichem Können und einer großen Portion Leidenschaft treiben die beiden Technikexperten das ambitionierte Projekt voran. „Es ist mein Herzensprojekt, das Freibad wieder öffnen zu können. Dort habe ich so viele schöne Erinnerungen, die ich auch weiteren Generationen ermöglichen möchte“, begründet Altewers sein persönliches Engagement.

Die Herausforderung ist beträchtlich: Ein veraltetes Freibad mit überholter Technik soll nicht nur funktionsfähig gemacht, sondern zukunftssicher modernisiert werden – und das weitgehend durch ehrenamtliche Arbeit und mit begrenzten finanziellen Mitteln. Das größte Problem des Freibads war über Jahre die unzuverlässige Beheizung. Ursprünglich wurde das Wasser durch ein solarbasiertes Heizsystem erwärmt: Unter der roten Beschichtung rund um das Kombibecken verliefen zahllose 6 mm dicke Röhrchen, durch die kaltes Badewasser gepumpt und über den sonnenerwärmten Boden erhitzt wurde. Doch dieses System erreichte selten die gewünschten 24 °C Wassertemperatur. Schlimmer noch, mit der Zeit platzten immer mehr Röhrchen, sodass der Solarboden schrittweise außer Betrieb genommen werden musste.

Reparaturversuche mit dem Hersteller schlugen fehl. Die alten Röhrchen, die der Solarheizung dienten, liegen größtenteils immer noch unter der Betondecke. „Es wäre viel zu teuer gewesen, die komplette Betondecke zu erneuern“, erklärt Czychowski die praktischen Entscheidungen, die getroffen werden mussten. Derzeit besteht diese Decke aus einem etwa 70 Millimeter starkem Unterbeton und einer 30 Millimeter starken Asphaltdecke.

Die neue Heizlösung: Erdgas als pragmatischer Kompromiss

Nach eingehender Prüfung verschiedener Alternativen – darunter Wärmepumpen, Blockheizkraftwerk, Fernwärme, Erdgas, Flüssiggas und Pellets – fiel die Wahl auf eine Erdgasheizung. Die Gründe waren vielfältig: Wärmepumpen und Blockheizkraftwerk waren finanziell nicht machbar. Pelletheizungen scheiterten an den strengen Auflagen für die Abgasreinigung. Flüssiggas erwies sich als unpraktikabel wegen der notwendigen wöchentlichen Betankung und der hohen Explosionsschutzanforderungen.

„Die größte Herausforderung war es für mich, eine passende Größenordnung für die Heizung zu finden“, beschreibt Czychowski den Planungsprozess. „Wie viel Leistung wird benötigt? Welche Vorlauftemperatur, welches Rohrnetz? Um diese Faktoren zu bestimmen, habe ich mit verschiedenen Firmen gesprochen, die sich mit der Thematik auskennen. Dabei kam heraus, dass für das Schwimmbecken eine Leistung zwischen 200 und 400 Kilowatt benötigt wird.“

Die Lösung: Ab Mai 2026 wird eine 300 kW-starke Erdgasheizung in einem Nebengebäude einen Wasserkreislauf erhitzen, der mittels Wärmetauscher die Energie an das Badewasser abgibt. Die Heizung regelt automatisch nach, um das Badewasser während des Schwimmbetriebs auf mindestens 24 Grad zu halten. Ein zusätzlicher Vorteil: Durch die geplante Edelstahlauskleidung des Beckens könnten im Sommer möglicherweise auch ohne aktive Beheizung höhere Temperaturen erreicht werden. Um Kosten zu sparen, übernimmt das Freiwilligen-Team alle bauseitigen Vorarbeiten für den Erdgasanschluss selbst; mit Hilfe eines Baggers wurden die notwendigen Erdarbeiten in Eigenregie durchgeführt.

Die Erdgasheizung ist jedoch nur der erste Schritt. „Für die Zukunft ist geplant, eine Kombination aus Erdgas und einer mit Strom betriebenen Wärmepumpe zu nutzen“, erläutert Czychowski die langfristige Strategie. „Dies ist besonders sinnvoll, wenn wir den Strom selbst produzieren. Deshalb ist eine leistungsfähige PV-Anlage in Planung, die schrittweise installiert werden soll. Diese wird auch helfen, die Stromkosten für alle elektrischen Aggregate zu senken.“ Als ersten Schritt in diese nachhaltige Zukunft wurde bereits beschlossen, das Duschwasser mittels einer Brauchwasserwärmepumpe zu erhitzen. Diese soll durch eine kompakte PV-Anlage unterstützt werden, die dankenswerterweise von einem privaten Spender zur Verfügung gestellt wird.